DIE NEUE ZUGSTRECKE FÜR DIE BESUCHER

Die Frënn vun der Lee, haben sich 1992 gegründet und setzen sich seither unter anderem für den Aufbau eines Museums in den früheren Schiefergruben von Obermartelingen ein. Ab 1994 bauten sie an Teilstrecken der früheren Grubenbahn, wie sie ab 1890 auf dem Gelände fuhr. DieIndustriegleise dienten dem Transport der Steine und Schieferblöcke zwischen dem Schrägaufzug, den einzelnen Werkstätten bis hin zur Haltestellte mit Anschluss an das große Eisenbahnnetz. Die Grubenbahn besteht aus typischen Industriegleisen mit einer Spurweite von 600 mm. Entweder wurden die Loren von Menschenhand gestoßen oder sie wurden durch Pferde oder eine Diesellok gezogen, die in Obermartelingen Guckuck genannt wurde.

Seit den Anfängen ihrer musealen Tätigkeiten, waren sich die Frënn vun der Lee der Wichtigkeit bewusst, die Gleisstrecke wieder zurückzulegen. Leider waren alle Schienen verschwunden in der Zeit nach 1956 als kein Schiefer mehr direkt in Obermartelingen abgebaut wurde.

Die Faszination und das unglaubliche Interesse nicht nur bei unseren kleinen sondern auch bei unseren großen Gästen gab uns in den letzten 25 Jahren auf der ganzen Linie Recht: Der Industriezug wurde zu einem eigenständigen Pfeiler und einer Attraktion an sich im Gefüge

des Schiefermuseums. Keine Entschuldigung kann die Enttäuschung aufwerten oder die Tränen trocknen, die wir kullern sahen an dem Tag an dem die Runde mit dem Industriezug aus technischen oder logistischen Gründen ausfallen musste.

Getreu dem Motto LIEWEG GESCHICHT - GESCHICHT ERLIEWEN, stellte der Touristenzug

schon im normalen Museumsbetrieb wie auch zu speziellen Anlässen eine unglaubliche Animation an sich dar. Indem der Zug mit seinem unverwechselbaren Dieselsound eine kleine Runde mit zwei Schlaufen fährt, zieht er alle Blicke auf sich. Er verbindet die beiden Enden des Museumsgeländes indem er dem Besucher eine schöne Gesamtübersicht über das Schiefermuseum bietet. Außerdem besteht für Gäste mit beschränkter Mobilität die Möglichkeit, der Besichtigung der Außenbereiche per Zug zu folgen. Eine der Loren ermöglicht es sogar, einen Rollstuhlgast zu transportieren.

Im Laufe der Jahre nutzte die Gleisstrecke, die mit einfachen Mitteln, mit einer Grundausstattung an Werkzeugen und secondhand Schienen verschiedener Maße aufgebaut wurde, dahingehend ab, dass sie nicht mehr sicher genug war. Zusammen mit der Verwaltungs-asbl des Museums, wurde Ende 2019 die Entscheidung

getroffen, den Touristenzug temporär stillzulegen und, parallel zu den großen Baustellen zur Eröffnung der unterirdischen Gruben auf - 42 m am Aufbau einer neuen



Gleisstrecke zu arbeiten.

Wir, die alten Gleisbauer, das heißt die Frënn vun der Lee asbl zusammen mit der asbl Musée de l’Ardoise und dem Verantwortlichen des nationalen Denkmalschutzamtes, haben zusammen verschiedene Schlüsselpunkte in der Ausarbeitung der neuen Gleisstrecke ausgemacht wie beispielsweise die Sicherheit, die Wichtigkeit von zwei Schlaufen, die Übersicht über das ganze Gelände, die potentielle Befahrung mit zwei Lokomotiven und mögliche Ausbauoptionen für später.

Als Partner wurde die Firma ETF Luxembourg ausgewählt, die auch im Fonds-de-Gras tätig ist und große Erfahrung in diesem Bereich hat. Das Inventar des bestehenden Gleismaterials legte den maroden Zustand des Bestandes offen. Es war unumgänglich, das gesamte Material für die Gleistrecke neu anfertigen zu lassen (mit Ausnahme

eines halben Dutzends Weichen, die instand gesetzt werden können) und die ganze Strecke mit Studie und Berechnungen des Geländevermessers, den Erdarbeiten für die Strecke und ihrem Aufbau.

Mit Hinblick auf die Tragweite des Projektes und das nötige Finanzpaket (ein Basisangebot von immerhin 343.535,02.- EUR), wurde entschieden, dass die Museums-asbl das Projekt übernehmen und die Anträge für Fördergelder stellen würden während die Frënn vun der Lee die Summe von 40.000,00.- EUR an Eigenkapital investieren würde für die Gleisstrecke und dass sie parallel für die Restaurierung und den Unterhalt der Lokomotiven und der Besucherwagen sorgen würden. (siehe Artikel im De Leekëppert 1/2021).

Die wahnsinnige Herausforderung bestand 2020 für die Museumsasbl darin, die nötigen Fördergelder zusammenzutragen. Anfragen konnten an die OEuvre Grande- Duchesse Charlotte und das Kulturministerium im Rahmen der Ausschreibungen Corona-Neistart Lëtzebuerg gestellt werden. Es sollte sich herausstellen, dass das Dossier für das Kulturministerium so komplett, gut vorgestellt und überzeugend war, dass die Jury entschied, die Restsumme von 303.535,02.- EUR als Gesamtpaket zu übernehmen (Nachricht vom 27.Januar 2021) : eine enorme Freude und Erleichterung für beide Vereine.

Sofort wurde die Bestellung aufgegeben und die zweimonatige Baustelle vor Ort konnte am 22. April mit den Erdaushubarbeiten beginnen.

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