Schiefermuseum Obermartelingen

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Die Große Gattersäge von Martelingen kommt ins Schiefermuseum

Transfer und Wiederaufbau der Großen Gattersäge von Martelingen

Den Frënn vun der Lee Haut-Martelange, Betreiber des Schiefermuseums (GHL) ist es gelungen, ein Projekt rund um den Erhalt der großen Gattersäge von Martelingen auszuarbeiten. Die Gattersäge wurde in Martelingen (B) abgebaut, ins Schiefermuseum transportiert und dort im ehemaligen Plattenwerk wieder aufgebaut. Mit diesem schönen grenzüberschreitenden Projekt unterstreicht das Schiefermuseum sein Bestreben ein transnationales Interpretationszentrum für die Schieferindustrie der Großregion Martelingen zu werden.

Finanzierung des Projektes

Der Transfer wurde finanziert durch das Nationale Luxemburgische Denkmalschutzamt/das Kulturministerium. In Zusammenarbeit mit dem Eigentümer Guy Rollinger, der den Frënn vun der Lee a.s.b.l./ dem Schiefermuseum die Gattersäge gestiftet hat, wurde ein Projekt ins Leben gerufen, das nicht nur den Abbau der Maschine und ihren Transport ins Museum vorsieht, sondern auch den sofortigen Wiederaufbau der Säge. Zusammen mit der Gattersäge wurden verschieden andere Maschinen ins Schiefermuseum überführt, dies auch durch die finanzielle Unterstützung von Guy Rollinger und den Gönnern des Vereins.

Die Frënn vun der Lee asbl ihrerseits haben die gleiche Summe wie die vom Staat erhaltenen Subventionen investiert, um das Plattenwerk des Schiefermuseums so auszustatten, dass die Maschinen dort gelagert werden können und ein Wiederaufbau überhaupt möglich ist (Vergrößerung der Zufahrt, neue Betonplatte, Putzarbeiten…). Dazu zählen die ca 250 freiwilligen Arbeitsstunden die zu diesem Zweck geleistet wurden.

In der Tat, da die verschiedenen Maschinenteile einzeln schon sehr schwer sind, musste das Plattenwerk so ausgestattet werden, dass die Zufahrt und das Manövrieren eines leistungsstarken Krans möglich ist, der Gewichte zwischen 2 und 5 Tonnen handhaben kann.

Die Gattersäge, eine Maschine mit der man Schieferblöcke in Platten beliebiger Dicke sägen kann.

Die Gattersäge ist eine Maschine, mit der man einen Block in Schieferplatten verschiedener Dicke aufteilen kann. Der Schieferblock wird auf der Unterlage der Säge befestigt. Blätter aus Metall werden mit dem gewünschten Abstand an den beweglichen Armen des Herzstücks der Maschine befestigt. Diese Arme sind verantwortlich für die Hin und Herbwegungen der Säge. Über den Block wird Wasser und Sand als Schleifmittel geschüttet mit, gelegentlich, einer Handvoll Karbid. So wird der Schieferblock langsam, mit ca 3 cm in der Stunde in Platten aufgetrennt.

Seit den 1970ger Jahren, wurde diese Gattersäge nicht mehr eingesetzt und durch eine leistungsfähigere, schnellere und modernere Maschine ersetzt, deren Blätter diamantbesetzt und aus Stahl waren.

Die Gattersäge besteht im Unterbau aus einer Basis die wie ein Wagon auf Schienen mit dem Schieferblock unter die Maschine gerollt werden kann. So kann der Stein mittels eines Krans auf die Basis geladen und unter die Maschine geschoben werden. Der Körper der Gattersäge besteht aus einem mobilen Rahmen an dem die Metallblätter zum Sägen fixiert sind. Dieser Sägetisch wird durch 4 Säulen gehalten in deren Mitte ein Gewinde eingebettet liegt, um den Rahmen mit den Sägeblättern hochzuziehen oder hinunterzulassen. Verschiedene Zahnräder, die über dem Deckengerüst miteinander verbunden sind, steuern diese Auf und Abwärtsbewegungen des Tisches mit den Sägeblättern. Der Tisch wurde aber nicht nur hinauf und hinabbewegt sondern auch durch eine Pleuelstange hin und her geschoben. Alle diese Bewegungen werden durch einen Motor gesteuert, der auf einem Sockel hinter der Maschine steht. Die Kraft des Motors wird durch einen Antriebsriemen auf ein 2,5 m großes Schwungrad übertragen. Die Achse des Schwungrads gibt die Bewegung an den Pleuel ab, der verantwortlich für die Hin und Herbewegung des Sägetisches ist. Ein zweites kleineres Rad sitzt neben dem Schwungrad und gib seine Bewegung per Antriebsriemen an eine Transmission am Deckengerüst der Gattersäge weiter. Diese Transmission treibt die Zahnräder und die Kupplung an, die die Auf und Abwärtsbewegungen des Rahmens mit den Sägeblättern steuert.

Alles in allem misst die Gattersäge mit Schwungrad 11 m in der Länge und 2,50 m in der Breite. Sie hat eine Höhe von 4 m. Die Achse mit Schwungrad wiegt alleine schon etwas mehr als 2 Tonnen.

Das Gelände wo die Gattersäge herkommt: die früheren Schiefergruben Donner (B)

Das Gelände der großen Gattersäge gehört der Luxemburgischen Firma Groupe Guy Rollinger und befindet sich auf belgischen Staatsterrain. Dieses Gelände wird nicht erhalten bleiben und als Ausstellungsort für die Säge genutzt werden.

Früher bekannt unter dem Namen Ardoisières Donner (B), wurde 1995 definitiv mit dem unterirdischen Abbau aufgehört. Die Familie Donner hat hier in Martelingen an der Straße nach Bastogne Schiefer zwischen 1906 und 1973 abgebaut. Danach wurde die Schiefergrube an Inarbel vermietet, eine Gesellschaft die damals auch die Schiefergruben von Herbeumont und Warmifontaine betrieb. Nach zehn Jahren Mietvertrag, übernahm 1983 ein Nachfahre der Familie Donner für weitere 7 Jahre die Schiefergrube. 1990 wurde das Gelände definitiv an die Luxemburgische Firma Groupe Guy Rollinger verkauft. Er hat die Schiefergrube bis 1995 betreiben. Seither gibt es keinen Abbau mehr in Martelingen.

Das Plattenwerk in dem die Gattersäge in Zukunft geschützt erhalten bleiben wird

Die große Gattersäge von Martelingen findet ihr neues geschütztes Zuhause im früheren Plattenwerk des heutigen Schiefermuseums (GHL). Haut-Martelange war eine von mehreren Schieferabbaustätten der Familie Rother und zugleich das Herzstück mit Sitz der Familie. Bis 1986, dem Jahr in dem die Schiefergruben auf Luxemburgischen Gebiet definitiv geschlossen wurden, war das Plattenwerk noch in Betrieb. In der Blütezeit der Schieferindustrie, anfangs des 20. Jahrhunderts, war das Plattenwerk von Obermartelingen eines der größten europaweit. Die Firma der Familie Rother, die Ardoisières de Haut-Martelange s.a., importierten Schiefer aus verschiedenen europäischen Ländern um ganz spezifische Produkte mit verschiedenen Verarbeitungsprozesse im Plattenwerk durchzuführen. So wurde beispielsweise Schiefer aus Italien importiert um die Platten für Billardtische herzustellen. Aber auch Fensterbänke, Waschbecken, Mauersteine, Türrahmen, Fußleisten, Isolationstafel für Elektrizität, Schiefergrabsteine usw. wurden im Plattenwerk angefertigt. 1983 betrug der erwirtschaftete Umsatz im Plattenwerk ¼ des gesamten Umsatzes der Ardoisières de Haut-Martelange s.a.

In Haut-Martelange standen seinerzeit 3 solche Gattersägen zusammen mit verschiedene Kreissägen, Hobelbänke, Polierteller, alles Maschinen um den Schiefer zu verarbeiten. Als 1986 die Produktion aufhörte, wurden die ganzen Maschinen aus dem Plattenwerk verkauft und heraus genommen ohne Rücksicht auf Schaden oder die Verausgabung eines einzigartigen Industrieerbes. Das Dach fiel in nur wenigen Jahren zusammen. Als das Gelände 1993 in öffentliche Hand überging, war das Dach des Plattenwerks eines der ersten Dächer das restauriert wurde. Übrig geblieben im Innern waren nur die drei Sockel der früheren Gattersägen, die Übergänge in 4 m Höhe, die Abwasserkanäle sowie eine Polierbasis und ein paar Maschinensockel aus Beton. Ein trauriger Anblick verglichen mit dem geschäftigen Treiben noch ein paar Jahre vorher.

2017 schenkte der aktuelle Besitzer der früheren Schiefergruben von Asselborn dem Schiefermuseum einen Polierarm sowie ein Kreissäge, alles Originalstücke aus dem Schieferabbau von Asselborn. Beide Maschinen wurden schon im Plattenwerk installiert. In Zukunft wird die eine Hälfte des Plattenwerks für Feste, Feiern, Märkte, aktuelle Anlässe und Führungen des Schiefermuseums zugänglich sein, während die andere Hälfte als Ausstellungsfläche für die früheren Maschinen erhalten bleiben wird.

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Les Amis de l'Ardoise A.s.b.l
Maison 3
L-8823 Haut-Martelange

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